Der lange Abschied

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Dieses Buch bewegt mich gerade sehr. Es ist für mich wie kühler Weißwein nach einem langen Tag. Ich genieße in Häppchen. Jeden Tag ein bißchen. Und hoffe, dass er noch reicht für viele Tage.

Ein Zitat aus dem Buch, das mich gerade sehr bewegt, stammt von Kathleen Norris: „Now the new mother, that leaky vessel / begins to nurse her child / beginning the long good-bye.“

Genau so ist es doch. Der Tag wird kommen, und hat schon begonnen, an dem die Mädels mich nicht mehr brauchen. An dem sie es tatsächlich alles allein machen wollen. Meine Älteste besteht mit ihren 2 Jahren felsenfest darauf sich allein anziehen zu wollen, und keine Hilfe anzunehmen, selbst wenn sie 5 Anläufe am Morgen braucht. Sie haben schon begonnen sich zu lösen.

Und doch ertappe ich mich so oft dabei, diese Zeit herbei zu sehnen, wo ich wieder mehr ich selbst sein darf und unabhängiger bin. Ich verliere aus den Augen, dass ich es dann nicht nur darf, sondern auch muss. Dass diese Szene unausweichlich ist. Dass es mir dann vlielleicht gar nicht so sehr gefallen wird.

Mit meiner zweiten Tochter fällt es mir schon leichter, diese erste, zarte, schnell vergehende Zeit zu genießen. Vielleicht weil ich durch meine erste Tochter weiß, dass die Zeit tatsächlich so schnell vorrüber geht. Vielleicht auch weil ich dieses Mal einen besseren körperlichen und psychischen Start hatte. Woran es auch immer liegt. Ich bin dankbar, dass ich diesen Blick dafür diesmal öfter haben darf: sie nahe an meinem Körper zu tragen, mit Küssen zu überschütten, ihr Haar zu riechen, ihr fröhliches Glucksen wirklich aufnehmen.

In gewisser Weise schaue ich mit meinem inneren Auge immer noch gern in die Zukunft. Ich kann es kaum erwarten diese Mädchen wachsen zu sehen. Sie dabei zu beobachten, welche Fähigkeiten sie entwicklen werden; welchen Weg sie aus der Vielzahl ihrer Möglichkeiten wählen werden. Schon jetzt, bin ich einfach so stolz darauf ihre Mutter sein zu dürfen.

Ich möchte die Tage bis dahin in ihrer Vielzahl, Einzigartigkeit und Banalität genießen. Diesen langen Weg des Abschieds bewusst begehen.

 

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