Ich will das haben!

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Heute ist mir eine Szene mit meiner Tochter mal wieder zu einem wundervollen Bild geworden.

Irgendwann am Nachmittag meldete sie während einer Spielzeit an: „Mama, ich habe Hunger!“ So interpretierte ich ihr Brüllen wenigstens. Ich lief also los in die Küche, um ihre Flasche vorzubereiten. Dabei war ich natürlich wie immer bemüht, dies so schnell wie möglich zu tun, damit sie nicht so lange brüllen muss. Kurz darauf kam ich also wieder ins Wohnzimmer gestürmt. Die Flasche in der Hand, ein Sabbertuch im Arm, wollte ich noch schnell den Handgelenk-Test machen und stelle fest: Mist, noch zu heiß!

Ein kurzer Blick auf meine Jüngste – Sobald ich das Zimmer mit der Flasche betrat, verstummte augenblicklich ihr Geschrei. Nun sah sie mich freudestrahlend an, leckte sich die Lippen und strampelte wild mit ihren Füßchen.

Es war hart. Aber ich wusste, ich werde sie jetzt enttäuschen, das Zimmer verlassen und die Flasche abkühlen gehen müssen. Sie wird das nicht verstehen, selbst wenn ich versuche ihr zu erklären, warum ich nochmal kurz weg muss mit dieser Flasche. Denn alles was sie weiß ist nur: Moment mal, das war doch richtig! Genau das wollte ich! Es war doch schon zum greifen nah! Wo bist du hin?! Ahhhhhhhh!!

Es brach mir fast das Herz, doch in der Küche mit der Flasche unter dem eiskalten Wasserstrahl in der Spüle. Und doch wusste ich, es geht nur so. Sie muss jetzt kurz durchhalten, abwarten. Ich kann ja nicht zulassen, dass sie sich ihren Mund verbrennt. Halte durch meine Kleine! Ich bin doch gleich wieder bei dir. Dann bekommst du alles was du brauchst. Dann ist es auch wohl temperiert auf dich abgestimmt.

Wie oft fühlen wir uns nicht genauso wie meine Kleine in unserem Leben. Das Gewünschte, das Objekt der Begierde war so nah – zum greifen nah! Und dann nimmt er es uns wieder weg. Dann geschieht es nicht so, wie wir uns es vor unserem inneren Auge ausgemalt haben. Dann geschieht nicht das einzig logische für uns. Dann können wir nur dumm aus der Wäsche gucken und sagen: Ernsthaft jetzt?! Das ist dein Plan? Nein! Ich hatte mir das anders vorgestellt!

Und auf der anderen Seite ist da Gott. Voller Mitgefühl, zerreisst es ihn fast während es inständig zu dir spricht: Nur noch einen Moment Geduld, mein liebes Kind! Wir haben es gleich. Einen Augenblick noch. Vetrau mir! Ich lass dich doch nicht verhungern. Ich lass deine Seele doch nicht für immer dürsten!

Ich habe eine Freundin, die gerade ganz akute Nöte und Fragen an Gott hat. Und sie redet und redet auf ihn ein. Und Gott tut (augenscheinlich) nichts. Ich habe keine Antwort auf dieses Dilemma. Verstehe es auch nicht, warum Gott ihr nicht so antwortet, wie sie es sich wünscht, so dass sie es verstehen und mittragen kann. Aber ich musste heute daran denken, wieviel mehr doch Gott ein liebender Vater ist als ich eine liebende Mutter. Wieviel mehr er sich doch sorgt. Ich bin mir sicher diese Situation muss meiner Freundin noch zum Segen werden – und sei es über 1000 Ecken und Kurven. Denn „denen, die Gott lieben müssen alle Dinge zum Besten dienen.“ (Röm 8,28) Mögen wir doch immer wieder die Kraft haben an dieser Verheißung festzuhalten. Und mögen wir nicht mehr so lange warten müssen bis dahin. Möge der Tag, an dem unser Durst gestillt wird bald kommen.

 

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