Waescheberge

Ich habe ein eher kurioses neues Hobby entwickelt: Wäsche aufhängen und abnehmen.

Mir ist bewusst, dass dies eher zu den leidigen Arbeiten einer Mutter gehören sollte, doch irgendwann einmal mittendrin ist mir klar geworden: „Hey, Moment mal – irgendwie macht mir das grad total Spaß. Ich bin total entspannt.“

Seither sehne ich diese Augenblicke des Tages herbei. Und genieße sie dann, heimlich, auf meinem Balkon, während die Kinder ihre Mittagsruhe halten. Ich mag es dabei, jedes Wäschestück einzeln in die Hand zu nehmen, auszuschütteln, den frischen Geruch einzuatmen und mich bei einigen Kleidungsstücken der Kinder daran zu erinnern, was wir an dem bestimmten Tag erlebt hatten. Manchmal gehen Flecken nicht gleich beim ersten Mal raus (gerade bei besagten Kindersachen!) und ich nehme es als persönliche Herausforderung an, jedes Kleidungsstück mit irgendwelchen Mitteln wieder sauber zu bekommen. Auch wenn man eigentlich sagen könnte – „Komm, es sind gebrauchte Sachen, die Kinder haben noch so viele andere T-Shirts, dann bleibt’s halt so, oder du ziehst es eben nicht mehr an.“ Aber all diese Argumente ziehen bei mir irgendwie nicht. Ich muss, will die Sachen sauber bekommen. Selbst wenn ich zwei, drei Fleckenmittel ausprobieren muss. Dabei stresst es mich auch überhaupt nicht, wenn ich den Kindern am Abend mega schlammige Sachen ausziehen muss. Das Gegenteil ist der Fall. Dreckige Kleider zeugen von einem vollends ausgelebten Tag.

(Interessanterweise geht man ja, seit man Kinder hat ohnehin nur noch für diese shoppen und besorgt ihnen ständig hier ein süßes Kleidchen, da einen tollen Body, obwohl sie nur eine Saison reinpassen. Man selbst zieht die 5 Jahre alten Shorts mit Löchlein auch in diesem Sommer wieder aus dem Schrank. Ach, was soll’s, wird geflickt, oder auch nicht… Ich besorg mir nächsten Sommer ne Neue. Der Sommer ist ja nun sowieso bald wieder rum. Und im nächsten kann ich mir die Shorts vielleicht auch ne Nummer kleiner besorgen. Sieht dann ohnehin viel besser aus.)

Zurück zum Wäschezauber: Bei mir geht diese Waschliebe mittlerweile schon so weit, dass ich den Kids am liebsten jeden Tag ein neues Outfit anziehen würde. Selbst wenn es eigentlich ’nochmal gehen würde‘. Dann wird die Maschine schneller voll. Und ich kann ein neues süßes Outfit über das Köpchen meiner Tochter streifen.

Ich glaube Jesus kann meine Liebe zum Wäsche waschen nachvollziehen. Während wir durch die Schlammgruben des Lebens ziehen, steht er jeden Abend wieder neu bereit, uns unsere verschmutzten Kleider abzunehmen, uns ein Bad einzulassen und uns mit Freuden ein neues, süßes Outfit zurechtzulegen. Ich glaube wirklich, dass er dabei schmunzelt, wenn er unseren frisch gewaschenen Wangen am Abend im Bett einen Kuss gibt und uns übers Haar streicht. Dann verspricht er uns, dass Morgen alles wieder neu sein wird. Das wir von vorn beginnen können. Ein neues Kleid. Ohne Flecken von vorhergegangenen Tagen. Ein Versprechen für dass ich so dankbar bin. Gerade an Tagen wie diesen – Wenn ich am Abend die Wäsche abnehme und an die Kinder in ihren Betten denke. Wie ich heute so oft an ihnen nicht so gehandelt habe, wie ich eigentlich wollte. Wenn ich aus der Haut gefahren bin. Sie nicht anständig getröstet habe. Ihnen nicht das ganze Buch vorgelesen habe, weil etwas dazwischen kam. Dann bin ich so dankbar, über seine Gnade, die jeden Morgen neu ist. Mit der ich Morgen wieder starten kann, ohne auf das schauen zu müssen, was vergangen, nicht veränderbar ist. Mit der ich Hoffnung habe, dass ich immer besser darin werden darf meine Kinder so zu lieben, wie sie es verdienen. Mit seiner Hilfe.

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